Ferdinand

Lesen Sie hier Ferdinands bewegende und abenteuerliche Geschichte

In einer sehr aufwendigen und emotionalen Rettungsaktion konnten wir ein junges Leben retten. Das Leben von Ferdinand, dem kleinen weißen Stier, der einfach nur leben wollte.

Ferdinand war ein noch sehr junges Rind, fast noch ein Kalb, als sein Leben Ende März 2020 im Schlachthof gewaltvoll beendet werden. Doch Ferdinand wollte nicht sterben und er kämpfte. Obwohl er bereits in der Tötungsbox war, die sonst kein Tier lebend verlässt, hat er es geschafft, sich in seiner Todesangst in letzter Sekunde zu befreien und zu flüchten. Ferdinand rannte um sein Leben, schaffte es bis in den Wald und entkam seinen Verfolgern.

Als wir davon erfuhren, entschlossen wir uns sofort, Ferdinand zu helfen. Johannes fuhr los, um heraus zu finden. wo Ferdinand geflüchtet war und wem er gehörte. Der Landwirt erklärte sich bereit, Ferdinand frei zu geben und so wurde Ferdinand in der Theorie ein Mitglied der Erdlingshof Familie.

Auf der Suche nach Ferdinand mit Lockrind Michel

Doch niemand wusste, wo Ferdinand sich aufhielt. War er noch in der Nähe oder in seiner Angst schon viele Kilometer weiter gezogen? Zwei Tage später ein Anruf: Ferdinand wurde gesehen, doch als wir ankamen, war er schon wieder untergetaucht. Wir blieben vor Ort und mit uns unser Lockrind Michel, der die gesamte Rettungsaktion begleitet hat. Da wir nun einen Anhaltspunkt hatten, wo Ferdinand sein könnte, begaben wir uns auf Spurensuche. Wo könnte Ferdinand sich aufhalten, wo fand er Wasser, wo etwas zu essen?

Nachtlager von Michel und Johannes

Nachts schliefen Johannes und Michel gemeinsam im Tieranhänger, tagsüber kamen wechselnd weitere Menschen zur Unterstützung hinzu. Wir fanden heraus, in welchem Radius sich Ferdinand bewegte. Doch gesehen haben wir ihn nicht. Dann – eine Woche später – ein erneuter Anruf: Ferdinand wurde gesichtet – und wieder verschwand er in der Deckung des Waldes. Doch wir fanden ihn später wieder und es gelang Michel, sich anzunähern. Wir Menschen hielten uns natürlich weit entfernt, um Ferdinand nicht zu verunsichern. Da Michel allein unterwegs war, hatten wir ihn mit einem GPS-Sender ausgestattet, so dass wir ihn jederzeit orten konnten. Irgendwann kam Michel dann zu uns zurück und Ferdinand hat seinen Weg im Wald fortgesetzt. Doch wir wussten, wir waren auf einem guten Weg.

Zeitweise wurde Michel von unserem zweiten Lockrind Bruno unterstützt

Auch am Sonntag und am Montag sahen wir Ferdinand – unsere Tierärztin Birgit Becker war seit Freitag mit einem Narkosegewehr Tag und Nacht vor Ort, falls sich eine Gelegenheit zum Betäuben ergeben sollte.

Samstags vor Ostern dann ein Brief, der uns unter großen Druck setzte. Der Bürgermeister der Gemeinde, in der Ferdinand unterwegs war, hatte uns ein Ultimatum gestellt: Entweder wir schafften es, Ferdinand bis zum 16.04. zu fangen oder es würde jemand beauftragt, der im schlimmsten Fall mit scharfer Munition auf Ferdinand schießen würde. Auch ein Telefonat mit dem Bürgermeister nach den Feiertagen konnte diese Frist nicht entschärfen. Der 16.04. blieb bestehen und der Bürgermeister setzte uns und Ferdinand buchstäblich die Pistole auf die Brust. Wegen des enormen Zeitdrucks hatte Johannes an diesem Dienstag Klaus Steindl angefordert, der sich bereit erklärt hatte, uns mit seinem Narkosegewehr, das noch weiter schießen konnte, zu unterstützen.

Ferdinand und Michel im Wald

Wir waren also mit vier Menschen, zwei Narkosegewehren und Michel im Wald unterwegs, immer auf der Suche nach Ferdinand. Einige Male fanden wir ihn und Michel und Ferdinand haben eine Weile zusammen verbracht, bevor er wieder im Wald verschwand. Es gab den ganzen Tag über keine Möglichkeit, einen Betäubungspfeil abzuschießen, denn im Wald gab es zu viele Äste und Bäume, die ein sicheres Treffen unmöglich machten. Fast wollten wir die Suche an dem Tag beenden, doch der Brief der Gemeinde war uns im Nacken. Wir starteten noch einen Versuch und begaben uns ein weiteres Mal auf die Suche nach Ferdinand. Wir mussten uns beeilen, der Anbruch der Dunkelheit stand kurz bevor. Diesmal fanden wir ihn in einem lichteren Waldstück – und endlich ergab sich eine Möglichkeit für Klaus zu schießen. Der Pfeil saß und Ferdinand lief los. Jetzt mussten wir schnell sein, wir durften ihn nicht verlieren. Erst nach vielen Minuten würde die Betäubung wirken und in dieser Zeit konnte Ferdinand noch weit laufen. Bergauf und bergab, über Bäche und Äste, es war nicht einfach, doch wir fanden ihn! Und wir konnten ihn sichern!

Doch niemals hätten wir mit unserem Anhänger an diese Stelle gelangen können. Ferdinand wurde ziemlich schnell wieder munter und stand bald auf seinen Beinen. Johannes entschloss sich, Ferdinand zum Anhänger zu führen. Leicht war es nicht, aber es gelang und mit vereinten Kräften stand Ferdinand einige Zeit später auf dem Transporter. Es war schon nach Mitternacht, als unsere übermüdeten, aber glücklich strahlenden Helden auf den Erdlingshof fuhren.

Endlich in Sicherheit: Ferdinand auf dem Erdlingshof

Auf der Fahrt hat Ferdinand sich ganz ruhig verhalten, aber beim Ausladen hat er eine Panikattacke bekommen. Unsere Tierärztin Birgit Becker hat ihm schnell etwas zur Beruhigung gegeben und Ferdinand wurde wieder entspannt. Nach einer kurzen Ruhepause hat Johannes Ferdinand auf eigenen Beinen in seine Box gebracht. Gegen drei Uhr in der Früh zum Mittwoch war die Rettung von Ferdinand nach ungefähr zwei Wochen beendet und all die unglaublichen körperlichen und psychischen Strapazen, die an allen gezehrt hatten, waren vergessen.

Wir dachten, es dauert Wochen oder gar Monate, bis Ferdinand wieder Vertrauen zu Menschen fassen könne. Aber schon am nächsten Tag ließ er sich vorsichtig streicheln, am übernächsten kam er schon von selbst zum Gatter, wenn wir kamen und noch einen Tag später durfte Johannes zu ihm in die Box, ohne dass es ihn störte. Es ist wie im Traum und wir können es selbst kaum fassen, aber Ferdinand scheint zu spüren, dass ihm jetzt nichts Böses mehr geschieht.

Ferdinand und Ben

Ben ist sein neuer Beschützer geworden und lässt ihn kaum noch aus den Augen, was Ferdinand sehr gut tut. Ferdinand ist ein kleiner süßer Rinderjunge, der einfach nur leben will – wie wir Menschen auch. ♥

Das Video zeigt Ferdinand mit Johannes in einem sehr berührenden Moment. Es ist, als würde Ferdinand genau spüren, wer ihm geholfen hat und sich bei seinem Retter Johannes bedanken wollen.

Ferdinand freut sich noch über liebe Menschen, die ihm helfen und ihn mit einer Tierpatenschaft unterstützen möchten.

Gemeinsam können wir so unglaublich viel erreichen, wir müssen es einfach nur tun und daran glauben!