Der ethische Gesichtspunkt

1. Warum sollte ich mich für eine vegane Lebensweise entscheiden?

Die Ställe, in denen die meisten „Nutztiere“ gehalten werden, sind so eng, dass die Tiere daran gehindert werden, ihre natürlichen Verhaltensweisen richtig auszuleben. Dies gilt meist auch für die Bio-Haltung, die den Tieren zwar zum Teil bessere Haltungsbedingungen ermöglicht, die aber immer noch eine starke Beeinträchtigung für die in ihr lebenden Tiere bedeutet. Vor Augen sollte sich auch hier geführt werden, dass bei Nachlassen der Produktionsleistung die Tötung des Tieres ansteht, da dieses sich dann nicht mehr für das Wirtschaftsunternehmen rentiert.

Unsere „Nutztiere“ gehören zu den unschuldigen Wesen, die wir Tag für Tag in unseren Moralvorstellungen unter den Tisch fallen lassen. Das Recht auf ihr eigenes Leben haben wir diesen empfindungsfähigen Wesen aber nicht zu nehmen und dürfen es nur beeinträchtigen, wenn es nicht anders geht oder unsererseits vitale Interessen massiv verletzt werden könnten. Der Appetit auf tierliche Produkte wie Fleisch, Salami, Eier und Milch gehört sicher nicht dazu.

Tiere sind als biologische Wesen mit bestimmten Funktionen und Fähigkeiten ausgestattet. Sie wollen diese Funktionen und Fähigkeiten nutzen (z.B. durch die Suche nach Futter) und nicht nur satt sein. Ein gutes Leben besteht nicht nur in der Erfüllung von Wünschen (z.B. Futter) sondern auch in dem Ausbilden und Verfolgen individuell entwickelter Wünsche.

Tiere sind keine Maschinen, wie es uns die Nutztierhaltungsindustrie teils vermarktet, sondern Wesen, die mehr brauchen, als sie es je in der Nutztierhaltung erhalten würden. Jedes empfindungsfähige Wesen strebt nach seinem eigenen Wohl und muss in dessen Verfolgen ernst genommen werden. Wenn wir allerdings Tiere besitzen, dann ordnen wir die Interessen dieses „Gegenstandes“ den unseren komplett unter, unterstützen das Wesen also nicht mehr in dem Verfolgen seines Wohls.

Tiere sollten daher mindestens in dem Sinne frei sein, dass sie keinem Besitzer gehören können und über eine Wahl- und Handlungsfreiheit verfügen. Wahlfreiheit meint, dass das Tier zwischen verschiedenen Optionen wählen können muss, um sich für die beste oder zumindest passendste Option entscheiden zu können. Handlungsfreiheit meint, dass dem Wesen zugestanden wird, das Ausleben zu können, was zur Erfüllung ihres Wunsches (z.B. nach Futter) benötigt wird. Suchen, prüfen, verwerfen einer Möglichkeit, beschnuppern einer möglichen anderen ect. gehören dabei zu den notwendigen Verhaltensweisen. Diese Freiheiten werden den Tieren in der Nutztierhaltung massiv verwehrt.

Aber die Freude an Bewegung, am Erkunden unserer Umgebung, am Ausprobieren – sie liegt in uns allen. Wir benötigen diese Freiheiten, um sie auszuleben. Mit unserer Entscheidung für eine vegane Lebensweise können wir zumindest einigen Tieren dieses Leid ersparen und als Vorbild regen wir auch andere an, ihren Konsum zu überdenken.

Noch werden jährlich allein in Deutschland für unseren Konsum ca. 1 Milliarde Landlebewesen getötet, hinzu kommen Milliarden Bewohner unserer Ozeane. Jeder Einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, dass diese Zahl geringer wird.

2. Ohne tierliche Produkte kann ich nicht leben.

Dass problemlos ohne tierliche Produkte gelebt werden kann, beweisen täglich aufs Neue die zahlreich vegan lebenden Menschen. Es ist eine Frage der Motivation. Der Wille dazu kann sich entwickeln, indem sich vermehrt mit dem veganen Lebensstil auseinandergesetzt wird. Wer die Lebensbedingungen der Tiere kennt und über Mitgefühl verfügt, der wird auch von Herzen aus sagen können: „Auch ICH kann vegan leben“. Wie tierliche Produkte gut und problemlos ersetzt werden können, erfahren Sie später bzw. auf den vorhandenen Links auf unserer Homepage.

 3. Pflanzen werden auch getötet.

Ja, deshalb empfinden wir es auch als wichtig, diese nicht aus unserer Ethik auszuschließen. Durch eine vegane Ernährung tragen wir diesem Gedanken Rechnung, denn durch die Veredelung über das Tier werden zu dem Tier auch noch eine übermäßige Anzahl an Pflanzen getötet. Getötet mag an dieser Stelle hart klingen, aber letztlich werden ja auch die Pflanzen ihres Lebens beraubt und an die Tiere verfüttert, die dann gegessen werden. Eine Kuh isst in ihrer kurzen Lebenszeit sehr viele Pflanzen. Ein Veganer rettet auch mathematisch gesehen zu den Tieren also auch noch vielen Pflanzen das Leben und indirekt auch wieder den wildlebenden Tieren, denn die von den „Nutztieren“ nicht genutzte Fläche könnte wieder den Wildtieren zur Verfügung gestellt werden.

Konsequent wäre es, frutarisch zu leben, sich also nur von Früchten zu ernähren. Allerdings geht es uns an erster Stelle um die Tiere, die anders als Pflanzen über ein zentrales Nervensystem verfügen und als Folge davon nachweislich leiden und fühlen können. Dazu sind Pflanzen, zumindest aus biologischer Sicht betrachtet, nicht imstande, auch wenn sie trotzdem auf Umweltreize reagieren.

 4. Ich habe schon mal vegetarisch/vegan gelebt, aber esse wieder Fleisch bzw. tierische Produkte.

An dieser Stelle ist es wichtig zu reflektieren, wie die Motivation war, über welches Wissen verfügt wurde und wie dieses angewandt wurde. Denn eine „gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, früher und späterer Kindheit und Adoleszenz“ (American Dietetic Association bzw. Amerikanische Gesellschaft für Gesundheit). Auch Professor Dr. Klaus Leitzmann schreibt, dass „Studien mit vegan lebenden Menschen, die weltweit, aber auch von uns durchgeführt wurden, zeigen, dass VeganerInnen im Durchschnitt deutlich gesünder sind als die allgemeine Bevölkerung. Körpergewicht, Blutdruck, Blutfett- und Cholesterinwerte, Nierenfunktion sowie Gesundheitsstatus allgemein liegen häufiger im Normalbereich.“ Wichtig ist es, wie bei jeder Ernährungsform, sich ausgewogen zu ernähren. Wer wieder Fleisch oder andere tierliche Produkte isst, der ist ethisch in seiner Haltung noch nicht gefestigt. Es mangelt also an Information oder aber es liegt wirklich Gleichgültigkeit gegen Mensch, Tier und Umwelt vor. Was sehr schade wäre.

5.   Was kann ich alleine schon verändern?

Ca. 48 Tiere pro Jahr müssen nicht getötet werden, wenn Sie sich für eine vegane Lebensweise entscheiden. Wenn Sie wiederum andere motivieren können, es Ihnen gleichzutun, steigt damit die Zahl der geretteten Tiere. Selbst, wenn Sie es nicht schaffen sollten, andere dafür zu begeistern, so können Sie wenigstens das gute Gewissen haben, das System der Tierausbeutung nicht mehr weiter zu unterstützen, und tun sich selbst gleichzeitig noch etwas Gutes, denn die vegane Lebensweise hat viele positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit (vgl. China-Study).

6.   Im Gemüse und Obstbau werden auch Tiere getötet. Also warum sollte ich mit Fleischkonsum aufhören?

Es muss an dieser Stelle differenziert werden zwischen der bewusst hingenommenen Tötung von Lebewesen für den eigenen Konsum und dem versehentlichen Treten auf einen Käfer. Wir sind Menschen und schweben nicht über der Erde, zeitgleich sind wir aber auch moralische Wesen und sollten andere Wesen in unsere Moral mit einbeziehen. Ein gänzlich tierleidfreies Leben aber ist nicht möglich. Leid zu verringern und unnötiges Leid zu verhindern ist aber machbar, indem wir bewusste Konsumentscheidungen treffen.

7.   Mein/e Hund/Katze isst auch Fleisch? Warum sollte ich etwas ändern?

Hier stellt sich die Frage, warum wir uns selbst zu Raubtieren machen sollten, nur weil es in der Welt fleischessende Lebewesen gibt. Nur weil jemand anders moralisch solche Entscheidungen nicht treffen kann, bedeutet dies nicht, dass wir ihr Verhalten übernehmen sollten. Anders als andere Tiere sind wir in der Lage, andere Wesen in unsere Moralvorstellungen einzubeziehen und ethisch zu handeln. VeganerInnen, die bereits fleischessende Haustiere haben oder überlegen, einen Hund oder eine Katze bei sich aufzunehmen, legen wir das Buch: „Vegetarische Hunde- und Katzenernährung“ von James A. Peden ans Herz. Es gibt bereits gesunde, vollwertige Hunde- und Katzennahrung, die gemeinsam mit Tierärzten entwickelt wurde.  Entscheidend ist nicht, dass das Tier Fleisch bekommt, sondern die für sein Wohlbefinden notwendige Nährstoffe. Diese sind in den veganen Vollwertfuttersorten enthalten, die z.B. über alles-vegetarisch.de bezogen werden können. Für das Haustier, wie auch für den Menschen geht es um Gewöhnung, für das Tier, welches wir zu Essen gedenken, geht es hingegen um Leben und Tod.